Simpl-Bulli

„Simplicissimus“ – „Simpl“

Der „Simplicissimus“ wurde im Oktober 1912 von Egon Dorn als Speiselokal mit Vergnügungsprogramm eröffnet. Die Künstler/innen der einzelnen Nummern wurden jeweils für einen Monat engagiert, bei großem Erfolg verlängert.
Verbunden waren die einzelnen Solonummern – Chansons, Klavierhumoristen, Schnellzeichner, Parodisten, Zauberkünstler, Rezitatoren – durch Conférencen, die anfangs Richard Hutter, Paul Morgan oder Fritz Grünbaum hielten. Kennzeichnend für den „Simplicissimus“ waren auch die Komponisten-Interpretinnen-Duos wie Béla Laszky – Mela Mars, Robert Stolz – Franzi Ressel oder Ralph Benatzky – Josma Selim. Daneben traten aber auch Lina Loos, Egon Friedell, Hermann Leopoldi oder Armin Berg auf.

In den 1920er Jahren feierten hier Fritz Grünbaum und Karl Farkas mit ihren Doppelconférencen große Erfolge. Natürlich haben Grünbaum/Farkas die Doppelconférence nicht erfunden, aber im deutschsprachigen Raum zu ihrem Höhepunkt geführt. Sie waren es auch, die in den 1930er Jahren Kabarett-Revuen in den „Simpl“ brachten.

1938 konnte Farkas fliehen, Grünbaum nicht. Er kam 1941 im KZ Dachau um. Diese zwei Namen seien hier stellvertretend für abertausende Schicksale genannt. (Siehe dazu: verbannt, verbrannt, vergessen und verkannt. Kurzbiographien zum Thema Verfolgung und Vertreibung österreichischer Kabarett- und Kleinbühnenkünstler 1933-1945. ÖKA 2012.)

Der „Simpl“ spielte auch nach der allgemeinen Theatersperre 1944 weiter und erlebte ab 1950, mit der Rückkehr von Karl Farkas als Conférencier, Autor, Darsteller, Regisseur und künstlerischer Leiter, eine neue Blütezeit. Die Revuen schrieb nun Farkas gemeinsam mit Hugo Wiener, der auch die Doppelconférencen verfasste, die Farkas nun mit Ernst Waldbrunn auf die Bühne brachte.
Zum weiteren „Simpl“-Ensemble gehörten u. a. Cissy Kraner, Elly Naschhold, Henriette Ahlsen, Maxi Böhm, Fritz Muliar, Heinz Conrads, Fritz Heller, Ossy Kolmann oder Karl Hruschka.

1965 verließ das Ehepaar Kraner-Wiener nach einem Zerwürfnis mit Farkas den „Simpl“, um 1971, nach dem Tod von Farkas, für kurze Zeit dorthin zurückzukehren.

1974 zog Martin Flossmann mit seinem Kabarett „Der bunte Wagen“ in der Wollzeile ein. Zu seinem Ensemble gehörten u. a. Tamara Stadnikow, Hans Harapat, Louis Strasser, Edith Leyrer oder Kurt Sobotka.

1993 übernahm Michael Niavarani gemeinsam mit Albert Schmidleitner das legendäre Etablissement.