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"Simpl"
Der
"Simplicissimus“ wurde im Oktober 1912 von Egon Dorn als Speiselokal mit
Vergnügungsprogramm eröffnet. Die KünstlerInnen der einzelnen Nummern wurden jeweils
für einen Monat engagiert, bei großem Erfolg verlängert. Verbunden waren die einzelnen
Solonummern – Chansons, Klavierhumoristen, Schnellzeichner, Parodisten, Zauberkünstler,
Rezitatoren – durch Conférenciers wie Richard Hutter, Paul
Morgan oder Fritz Grünbaum, der in
der 1906 eröffneten „Hölle“ seinen Durchbruch gefeiert hatte. Kennzeichnend für
den „Simpl“ waren auch die Komponisten-Interpretinnen-Duos wie Bela Laszky - Mella
Mars, Robert Stolz - Franzi Ressel oder Ralph Benatzky - Josma Selim. Daneben
traten aber auch Lina Loos, Egon Friedell, Hermann
Leopoldi oder Armin Berg auf. In
den 20er Jahren feierten hier Fritz Grünbaum
und Karl Farkas mit ihren Doppelconférencen große
Erfolge. Natürlich haben Grünbaum/Farkas die Doppelconférence nicht erfunden,
aber im deutschsprachigen Raum zu ihrem Höhepunkt geführt. Sie waren es auch,
die in den 30er Jahren Kabarett-Revuen in den „Simpl“ brachten. 1938 konnte
Farkas fliehen, Grünbaum nicht. Er kam 1941
im KZ Dachau um. Diese zwei Namen seien hier stellvertretend für abertausende
Schicksale genannt. Der „Simpl“ spielte auch nach der allgemeinen Theatersperre
1944 weiter und erlebte ab 1950, mit der Rückkehr von Karl
Farkas als Conférencier, Autor, Darsteller, Regisseur und künstlerischer Leiter,
eine neue Blütezeit. Die Revuen schrieb nun Farkas gemeinsam mit Hugo
Wiener, der auch die Doppelconférencen verfasste, die Farkas nun mit Ernst
Waldbrunn auf die Bühne brachte. Zum weiteren Simpl-Ensemble gehörten
u.a. Cissy Kraner, Elly Naschhold, Henriette Ahlsen,
Maxi Böhm, Fritz
Muliar, Heinz Conrads, Fritz Heller, Ossy
Kolmann, Karl Hruschka. 1965 verließ das Ehepaar Kraner-Wiener nach einem
Zerwürfnis mit Farkas den "Simpl", um 1971, nach dem Tod von Farkas,
für kurze Zeit dorthin zurückzukehren. 1974 zog Martin Flossmann mit seinem
Kabarett „Der bunte Wagen“ in der Wollzeile ein. Zu seinem Ensemble gehörten u.a.
Tamara Stadnikow, Hans Harapat, Louis Strasser, Edith Leyrer, Kurt Sobotka. Er
übergab den „Simpl“ 1993 an Michael Niavarani,
der ihn bis heute leitet.
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Literarisch-politisches
Kabarett und literarische Kleinkunst der 30er Jahre
Der
Begriff „Kleinkunst“ wurde in den 30er Jahren bewusst eingesetzt, um sich von
den reinen Amüsierbetrieben der Cabaret-Etablissements und Revue-Theater abzugrenzen.
Stella Kadmon eröffnete 1931 im Souterrain
des Café Prückel den „Lieben Augustin“ als literarisches Cabaret. Ihr zur Seite
standen Peter Hammerschlag als Autor, Alex
Szekely als Zeichner und Fritz Spielmann als Komponist und Pianist. Anfänglich
eher ein buntes Brettl mit Improvisation (Blitzgedichte von Hammerschlag, dazu
Zeichnungen von Szekely, Literaturparodien und parodistische Tänze), änderte „Der
liebe Augustin“ ab 1933 seinen Stil, der politischen Situation entsprechend. Ab
nun wurden auch Tucholsky und Kästner gespielt, Gerhart Herrmann Mostar und Hugo
F. Koenigsgarten wurden zu Hausautoren. Auch formal trat langsam eine Veränderung
ein: Weg vom Nummerncharakter hin zum Einakter und Mittelstück. Zum Ensemble gehörten
u.a. Gusti Wolf, Herbert Berghof, Leo Aschkenazy
(Leon Askin), Fritz Muliar und Fritz Eckhardt. Am 10. März 1938 mußte „Der
liebe Augustin“ seinen Spielbetrieb einstellen. 1945 durch Fritz
Eckhardt und Carl Merz wiedererweckt, übernahm Stella
Kadmon den „Lieben Augustin“ nach ihrer Rückkehr aus dem Exil 1947. Ein Jahr
später wandelte sie ihn in eine Schauspielbühne um und änderte auch den Namen
in „Theater der Courage“. Die nächste literarisch-politische Kabarettgründung
war „Die Stachelbeere“ im Sommer 1933 von
einer Gruppe des „Bundes junger Autoren Österreichs“ unter Führung von Rudolf
Spitz. "Die Stachelbeere" war
anfangs im Café Döblingerhof im XIX. Wiener Gemeindebezirk untergebracht und übersiedelte
1934 ins Café Colonnaden, Rathausplatz. Als Autoren wirkten neben Spitz, der auch
conferierte, Hans Weigel und Josef Pechacek. Nach anfänglich improvisatorischem
Charakter änderte sich der formale Stil in Richtung Einakter und Mittelstück.
Inhaltlich war "Die Stachelbeere"
politisch engagierter, aggressiver und scharfzüngiger als die „Literatur am Naschmarkt“,
auch eine Gründung des „Bundes junger Autoren Österreichs“, die im November 1933
ihre Pforten im Café Dobner öffnete. Wegen Überforderung der Autoren, die nun
für zwei Kleinkunstbühnen Texte zu verfassen hatten, stellte "Die
Stachelbeere“ 1935 ihren Spielbetrieb ein. Die Initiatoren der „Literatur
am Naschmarkt“, Rudolf Weys und F.W. Stein, strebten ein Mittelding zwischen Theater
und Brettl an. Folglich entwickelten sie auch das Mittelstück, ein ungefähr dreißig
bis vierzig Minuten dauernder Einakter, der zwischen dem klassischen Nummernprogramm
und zwei Pausen (zur Konsumation!) eingebettet war. Als Autoren fungierten neben
Weys, Hans Weigel, Lothar Metzl, Jura Soyfer,
Kurt Nachmann, Rudolf Spitz oder Peter Hammerschlag,
und als DarstellerInnen Carl Merz, Herbert Berghof,
Hugo Gottschlich, Heidemarie Hatheyer, Hilde
Krahl, Elisabeth Neumann u.v.a. Bis 12. März 1938 brachte die „Literatur am Naschmarkt“
22 Programme heraus. Danach fand die „arische Abteilung" im „Wiener Werkel“
ihr Betätigungsfeld. Die politisch schärfste Kleinkunstbühne Wiens war
das „ABC“ („Brettl am Alsergrund“ im Café City, Porzellangasse 1), das 1934 eröffnet
wurde. Hier wirkten bis 1938 u.a. Leo Aschkenazy,
Franz Paul, Rudolf Steinboeck, Fritz Eckhardt,
Jimmy Berg, Peter
Hammerschlag, Gerhart Herrmann Mostar, Hugo F. Koenigsgarten, Hans Weigel,
Cissy Kraner, Josef Meinrad, Hans Sklenka und
Jura Soyfer, dessen Mittelstücke heute noch
als Theaterstücke aufgeführt werden. (Hörprobe
aus "Der Weltuntergang" von Jura Soyfer. Leon Askin: "Kometensong") | |
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"Der
Würfel"
In Graz entstand 1959 ein Kabarett-Ensemble, das neue Dimensionen in die
damalige Kabarett-Landschaft bringen sollte. Gegründet wurde "Der Würfel"
von Kuno Knöbl, der auch die Idee zum Gruppennamen hatte und fortan als Spielleiter,
Autor und Darsteller wirkte. Gründungsmitglieder dieses Studenten-Kabaretts
waren Dieter Gogg, Kurt Gogg, Helmut Knoll, Udo
Simonitsch und Gerhard Steffen. Als Autoren und Darsteller fungierten neben Knöbl,
Dieter Gogg und Udo Simontisch. Als Darstellerin kam im dritten Programm Monika
Orthofer hinzu, die ihrerseits ihren Bruder Peter
Orthofer als Texter, Darsteller und Conférencier zum Ensemble brachte.
Ab Herbst 1960 verstärkte Is Franke die Truppe. In Graz, wo der "Würfel"
innerhalb von zwei Jahren sieben Programme spielte, fanden die Kabarett-Aufführungen
anfänglich im Gothensaal statt, später (Herbst 1960) übersiedelte
man in das eben eröffneten Forum Stadtpark. Neben ihrer Tätigkeit als
Kabarett-Autoren verfassten größtenteils Dieter Gogg, Kuno Knöbl,
Peter Orthofer, Udo Simonitsch und Gerhard Steffen
Kolumnen für die Grazer Tageszeitung "Kleine Zeitung" unter dem
Titel "Von denen Graetzern und anderen Spießern". 1961 gastierte
"Der Würfel" mit dem Programm "Weh dem, der rügt"
sehr erfolgreich in Gerhard Bronners "Neuem
Theater am Kärntnertor". Bronner, dem seine Kabarett-Truppe, das namenlose
Ensemble, teilweise abhanden gekommen war, engagierte daraufhin einige "Würfel"-Mitglieder
an sein Haus. Zusammen mit Peter Lodynski, Eva Pilz und Mirjam Dreifuss bildeten
sie nun das neue „Kärntnertor-Ensemble“. 1963 allerdings lösten sich Lodynski
und Knöbl, der 1965 nach Vietnam ging, von Bronner, um ihr eigenes Kabarett,
wiederum „Der Würfel“ genannt, im Keller des Café Savoy in der Himmelpfortgasse
zu eröffnen. Als Texter fungierten hauptsächlich
Dieter Gogg und Peter Lodynski. Der neue „Würfel“ hatte bald den Ruf eines
Avantgarde-Kabaretts, das versuchte, Surreales und Absurdes satirisch umzusetzen.
Zum Ensemble gehörten im Laufe der Zeit u.a. auch Mirjam Dreifuss, Günter Tolar,
Felix Dvorak, Cissy Kraner, Hugo
Wiener, Herwig Seeböck u.v.m. 1969 löste
sich „Der Würfel“ auf und viele Ensemblemitglieder fanden im ORF ihr Betätigungsfeld.
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Literaturliste
zur Kabarettgeschichte Eine Auswahl
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(Hrsg.), Mitgelacht dabeigewesen. Erinnerungen aus sieben Jahrzehnten Kabarett.
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