Heute schon gelacht? 
 


ZUR GESCHICHTE DES ÖSTERREICHISCHEN KABARETTS
Ein Abriss

 

 

 


Die Anfänge


Als Geburtsstunde des Cabarets wird im Allgemeinen der 18. November 1881 angegeben, als Rodolphe Salis am Montmartre in Paris sein „Chat noir“ eröffnete. Sein Vorhaben lautete „Wir werden politische Ereignisse persiflieren, die Menschheit belehren, ihr ihre Dummheit vorhalten, dem Mucker die schlechte Laune abgewöhnen ...“ (Rudolf Hösch, Kabarett von gestern. Berlin 1967, S. 19)
Als Geburtstag des deutschsprachigen Kabaretts gilt der 18. Jänner 1901. Ernst von Wolzogen eröffnete an diesem Tag in Berlin das „Bunte Theater“, besser bekannt als „Überbrettl“. Dieses wiederum diente dem ersten österreichischen Kabarett als Vorbild.
Am 16. November 1901 eröffnete der Autor und Theaterkritiker Felix Salten im Theater an der Wien das „Jung-Wiener Theater zum lieben Augustin“, das allerdings nur wenige Vorstellungen erlebte.
Erst 1906 kommt es zu einer Wiederbelebung des literarischen Kabaretts in Wien. Marc Henry, Marya Delvard und Hannes Ruch eröffneten nach dem Ende der Münchner „Elf Scharfrichter“ (gegründet im April 1901) in der Ballgasse das „Cabaret Nachtlicht“. Das Programm war eine Mischung aus dem Repertoire der „Scharfrichter“ und Wiener Autoren und DarstellerInnen wie Otto Julius Bierbaum, Frank Wedekind, Erich Mühsam, Peter Altenberg, Roda Roda, Egon Friedell, Carl Hollitzer oder Gertrude Barrison. Und sogar Karl Kraus war dem „Nachtlicht“ anfangs sehr gewogen. Doch nach etwas mehr als einem Jahr schloss es seine Pforten.
Aber man hatte bereits eine neue Sensation: Im Oktober 1907 wurde das Theater und Kabarett „Fledermaus“ als Gesamtkunstwerk in der Kärntnerstraße eröffnet. Sowohl die Einrichtung als auch die Bühnenausstattung dieses „Jugendstil-Kabaretts“ kamen von der Wiener Werkstätte. Die künstlerische Leitung übernahm einmal mehr Marc Henry. Die wienerische Note des Programms trat diesmal noch deutlicher hervor. Mitwirkende auf und hinter der Bühne waren neben Marya Delvard u. a. Peter Altenberg, Lina Vetter-Loos, Alfred Polgar, Oscar Straus, Carl Hollitzer, Oskar Kokoschka, Roda Roda oder Egon Friedell, der späterhin auch die künstlerische Leitung übernahm. Allerdings bestand die „Fledermaus“ als literarisches Kabarett nicht lange und ging schließlich 1913 in die Revue-Bühne „Femina“ über.
Im Oktober 1906 eröffneten die Brüder Natzler im Souterrain des Theaters an der Wien das Kabarett "Hölle". Der Star der Bühne war anfangs die Diseuse Mela Mars, die stets von ihrem Mann, Béla Laszky, am Klavier begleitet wurde. Neu im Programm waren Operetteneinakter, wie "Phryne" von Edmund Eysler oder Franz Lehárs "Mitislaw der Moderne", beide Libretti von Robert Bodanzky und Fritz Grünbaum, der hier auch seine ersten großen Erfolge als Conférencier feierte. Die "Hölle" existierte bis Mitte der 1920er Jahre.

 
 


"Simpl"


Der "Simplicissimus“ wurde im Oktober 1912 von Egon Dorn als Speiselokal mit Vergnügungsprogramm eröffnet. Die KünstlerInnen der einzelnen Nummern wurden jeweils für einen Monat engagiert, bei großem Erfolg verlängert. Verbunden waren die einzelnen Solonummern – Chansons, Klavierhumoristen, Schnellzeichner, Parodisten, Zauberkünstler, Rezitatoren – durch Conférenciers wie Richard Hutter, Paul Morgan oder Fritz Grünbaum, der in der 1906 eröffneten "Hölle" seinen Durchbruch gefeiert hatte. Kennzeichnend für den „Simpl“ waren auch die Komponisten-Interpretinnen-Duos wie Béla Laszky - Mela Mars, Robert Stolz - Franzi Ressel oder Ralph Benatzky - Josma Selim. Daneben traten aber auch Lina Loos, Egon Friedell, Hermann Leopoldi oder Armin Berg auf.
In den 20er Jahren feierten hier Fritz Grünbaum und Karl Farkas mit ihren Doppelconférencen große Erfolge. Natürlich haben Grünbaum/Farkas die Doppelconférence nicht erfunden, aber im deutschsprachigen Raum zu ihrem Höhepunkt geführt. Sie waren es auch, die in den 30er Jahren Kabarett-Revuen in den „Simpl“ brachten.
1938 konnte Farkas fliehen, Grünbaum nicht. Er kam 1941 im KZ Dachau um. Diese zwei Namen seien hier stellvertretend für abertausende Schicksale genannt.
Der „Simpl“ spielte auch nach der allgemeinen Theatersperre 1944 weiter und erlebte ab 1950, mit der Rückkehr von Karl Farkas als Conférencier, Autor, Darsteller, Regisseur und künstlerischer Leiter, eine neue Blütezeit. Die Revuen schrieb nun Farkas gemeinsam mit Hugo Wiener, der auch die Doppelconférencen verfasste, die Farkas nun mit Ernst Waldbrunn auf die Bühne brachte. Zum weiteren Simpl-Ensemble gehörten u. a. Cissy Kraner, Elly Naschhold, Henriette Ahlsen, Maxi Böhm, Fritz Muliar, Heinz Conrads, Fritz Heller, Ossy Kolmann, Karl Hruschka. 1965 verließ das Ehepaar Kraner-Wiener nach einem Zerwürfnis mit Farkas den "Simpl", um 1971, nach dem Tod von Farkas, für kurze Zeit dorthin zurückzukehren.
1974 zog Martin Flossmann mit seinem Kabarett „Der bunte Wagen“ in der Wollzeile ein. Zu seinem Ensemble gehörten u. a. Tamara Stadnikow, Hans Harapat, Louis Strasser, Edith Leyrer, Kurt Sobotka. Er übergab den „Simpl“ 1993 an Michael Niavarani, der ihn bis heute leitet.

 
 


Politisches Kabarett & Jüdisch-Politisches Cabaret in Wien


Politisch und gesellschaftlich bedingt entstanden 1927 das „Politische Kabarett“ der Sozialistischen Veranstaltungsgruppe und das „Jüdisch-Politische Cabaret“.
Ersteres machte zwischen 1927 und 1933 dreizehn Programme gegen den politischen Gegner. Als Texter wirkte ein Autoren-Kollektiv, bestehend u. a. aus Viktor Grünbaum (Victor Gruen), Robert Ehrenzweig (Robert Lucas), Karl Bittmann, Jura Soyfer und Edmund Reismann, späterer Leiter der "Roten Spieler".
Das „Jüdisch-Politische Cabaret“ wurde von Oscar Teller und Victor Schlesinger als zionistisches Kabarett gegründet, das 1938 – wie viele andere Kabarett- und Kleinkunstbühnen – schließen musste.

 
 


Literarisch-politisches Kabarett und literarische Kleinkunst der 1930er Jahre

Der Begriff „Kleinkunst“ wurde in den 30er Jahren bewusst eingesetzt, um sich von den reinen Amüsierbetrieben der Cabaret-Etablissements und Revue-Theater abzugrenzen.

Stella Kadmon eröffnete 1931 im Souterrain des Café Prückel den „Lieben Augustin“ als literarisches Cabaret. Ihr zur Seite standen Peter Hammerschlag als Autor, Alex Szekely als Zeichner und Fritz Spielmann als Komponist und Pianist. Anfänglich eher ein buntes Brettl mit Improvisation (Blitzgedichte von Hammerschlag, dazu Zeichnungen von Szekely, Literaturparodien und parodistische Tänze), änderte „Der liebe Augustin“ ab 1933 seinen Stil, der politischen Situation entsprechend. Ab nun wurden auch Tucholsky und Kästner gespielt, Gerhart Herrmann Mostar und Hugo F. Koenigsgarten wurden zu Hausautoren. Auch formal trat langsam eine Veränderung ein: weg vom Nummerncharakter hin zum Einakter und Mittelstück. Zum Ensemble gehörten u. a. Gusti Wolf, Herbert Berghof, Leo Aschkenazy (Leon Askin), Fritz Muliar und Fritz Eckhardt. Am 10. März 1938 musste „Der liebe Augustin“ seinen Spielbetrieb einstellen.
1945 durch Fritz Eckhardt und Carl Merz wiedererweckt, übernahm Stella Kadmon den „Lieben Augustin“ nach ihrer Rückkehr aus dem Exil 1947. Ein Jahr später wandelte sie ihn in eine Schauspielbühne um und änderte auch den Namen in „Theater der Courage“.

Die nächste literarisch-politische Kabarettgründung war „Die Stachelbeere“ im Sommer 1933 von einer Gruppe des „Bundes junger Autoren Österreichs“ unter Führung von Rudolf Spitz. "Die Stachelbeere" war anfangs im Café Döblingerhof im XIX. Wiener Gemeindebezirk untergebracht und übersiedelte 1934 ins Café Colonnaden, Rathausplatz. Als Autoren wirkten neben Spitz, der auch conferierte, Hans Weigel und Josef Pechacek. Nach anfänglich improvisatorischem Charakter änderte sich der formale Stil in Richtung Einakter und Mittelstück. Inhaltlich war "Die Stachelbeere" politisch engagierter, aggressiver und scharfzüngiger als die „Literatur am Naschmarkt“, auch eine Gründung des „Bundes junger Autoren Österreichs“, die im November 1933 ihre Pforten im Café Dobner öffnete. Wegen Überforderung der Autoren, die nun für zwei Kleinkunstbühnen Texte zu verfassen hatten, stellte "Die Stachelbeere“ 1935 ihren Spielbetrieb ein.

Die Initiatoren der „Literatur am Naschmarkt“, Rudolf Weys und F.W. Stein, strebten ein Mittelding zwischen Theater und Brettl an. Folglich entwickelten sie auch das Mittelstück, ein ungefähr dreißig bis vierzig Minuten dauernder Einakter, der zwischen dem klassischen Nummernprogramm und zwei Pausen eingebettet war. Als Autoren fungierten neben Weys, Hans Weigel, Lothar Metzl, Jura Soyfer, Kurt Nachmann, Rudolf Spitz oder Peter Hammerschlag, und als DarstellerInnen Carl Merz, Herbert Berghof, Hugo Gottschlich, Heidemarie Hatheyer, Hilde Krahl, Elisabeth Neumann u. v. a. Bis 12. März 1938 brachte die „Literatur am Naschmarkt“ 22 Programme heraus.
Danach fand die „arische Abteilung" im „Wiener Werkel“ ihr Betätigungsfeld.

Die politisch schärfste Kleinkunstbühne Wiens war das „ABC“ („Brettl am Alsergrund“ im Café City, Porzellangasse 1), das 1934 eröffnet wurde. Hier wirkten bis 1938 u. a. Leo Aschkenazy, Franz Paul, Rudolf Steinboeck, Fritz Eckhardt, Jimmy Berg, Peter Hammerschlag, Gerhart Herrmann Mostar, Hugo F. Koenigsgarten, Hans Weigel, Cissy Kraner, Josef Meinrad, Hans Sklenka und Jura Soyfer, dessen Mittelstücke heute noch als Theaterstücke aufgeführt werden. (Hörprobe aus "Der Weltuntergang" von Jura Soyfer. Leon Askin: "Kometensong")

 
 
„Wiener Werkel“


Das „Wiener Werkel“ ging aus der „arischen Abteilung" der „Literatur am Naschmarkt" Anfang 1939 hervor und wurde von Adolf Müller-Reitzner in der Liliengasse eröffnet. Die nichtjüdischen Autoren und DarstellerInnen versuchten ihre Zeitkritik fortzusetzen. Unter ihnen: Rudolf Weys, Franz Paul, Hugo Gottschlich, Josef Meinrad, Rolf Olsen und Christl Räntz. Unter Pseudonymen steuerten auch Fritz Eckhardt oder Kurt Nachmann Texte bei.

 
 


Exil


Jüdische Autoren, Musiker, DarstellerInnen und auch ihr Publikum mussten 1938 fliehen — wenn sie konnten. In vielen Exilländern gründeten sie Exil-Kabaretts und -Theater.
In London entstand neben dem "Blue Danube Club", den Peter Herz leitete, eine der bedeutendsten Exilbühnen, das 1939 gegründete "Laterndl". Bereits im Oktober 1938 gründete Viktor Grünbaum in New York die "Viennese Theatre Group". Oscar Teller begründete die "Arche", in der u. a. Jimmy Berg, Victor Schlesinger und Fritz Spielmann auftraten. In Los Angeles entstand 1939 die "Freie Bühne", die vorwiegend Unterhaltungsstücke bot. Karl Farkas trat in den USA u. a. gemeinsam mit Armin Berg und Kurt Robitschek auf. Georg Kreisler war als Pianist und Dirigent tätig. In Australien entstand das "Viennese Little Theatre"; Stella Kadmon emigrierte ebenso wie Gerhard Bronner nach Palästina.

 
 
Nachkriegskabarett


In den Nachkriegsjahren gab es eine Vielzahl von Kabarett-Gründungen. Erstmals aber nicht nur in Wien, sondern auch in anderen Landeshauptstädten, wie Graz („Der Igel“), Linz („Kabarett Eulenspiegel“) oder Innsbruck („Kleines Welttheater“). Die erfolgreichste Wiener Kabarettbühne der Nachkriegszeit war „Das kleine Brettl“, gegründet von Rolf Olsen. Daneben wurden der „Simpl“ und „Der liebe Augustin“ wiedereröffnet. Auch die Sozialistischen Studenten gründeten wieder ein Kabarett, „Der Rote Hund“.
 
 

Kabarett der 1950er Jahre
- Das "namenlose Ensemble"

Erst Anfang der 1950er Jahre konnten sich wieder Ensembles etablieren: Einerseits, wie schon erwähnt, das "Simpl"-Ensemble um Karl Farkas, andererseits das namen- aber keineswegs bedeutungslose Kabarett um Bronner-Merz-Qualtinger mit Kehlmann-Kreisler-Wehle.

1952 brachten Bronner-Kehlmann-Merz-Qualtinger ihr erstes Kabarett-Programm unter dem Titel "Brettl vor'm Kopf" im "Kleinen Theater im Konzerthaus" heraus. Das Besondere und Neue an diesem Kabarett war, dass die Kabarettisten auf der Bühne gleichzeitig auch Autoren, Komponisten und Musiker in Personalunion waren. Als Conférencier wirkte Carl Merz. Erst 1956 gab es ein neues Programm, "Blattl vor'm Mund", nun ohne Kehlmann, aber mit Georg Kreisler und Peter Wehle. Als Ensemblemitglied verstärkte ab nun Louise Martini die namenlose Truppe. Dieses und das nächstfolgende Programm wurden im "Intimen Theater" in der Liliengasse erfolgreich aufgeführt, das Bronner zusammen mit Kreisler gemietet hatte. 1957 folgte "Glasl vor'm Aug", das auch vom jungen Medium Fernsehen ausgestrahlt wurde.
Ab Oktober 1958 spielte das Ensemble seine Programme unter dem Titel "Spiegel vor'm G'sicht" im Fernsehen und erreichte damit ungeahnte Erfolge und neue Publikumsschichten. Die erste Folge dieser Fernseh-Kabarett-Reihe, die bis zum Sommer 1959 insgesamt acht Mal ausgestrahlt wurde, enthielt bereits das Bronner-Chanson "Der Papa wird's schon richten", interpretiert von Helmut Qualtinger. Der oftmals kolportierte Rücktritt des Ersten Nationalratspräsidenten Dr. Felix Hurdes aufgrund dieses Chansons ist nicht belegbar.
1959 übersiedelte die Truppe ins "Neue Theater am Kärntnertor", das Gerhard Bronner übernommen hatte und brachte dort "Dachl über'm Kopf" und "Hackl vor'm Kreuz" heraus.
Mit im Ensemble waren u. a. auch Eva Pilz, Kurt Jaggberg, Johann Sklenka und Kurt Sobotka. Viele Bronner-Chansons aus dieser Zeit sind vor allem durch die Interpretation Qualtingers legendär geworden: "Der g'schupfte Ferdl", "Der Bundesbahnblues", "Der Halbwilde" oder "Der Papa wird's schon richten". Ebenso legendär sind die Travnicek-Texte von Merz-Qualtinger, interpretiert durch Bronner-Qualtinger.
Ab 1961 wollten Martini, Merz und Qualtinger nicht mehr Kabarett spielen. Helmut Qualtinger schuf im selben Jahr zusammen mit Carl Merz "Der Herr Karl" und Gerhard Bronner holte den "Würfel" an sein Theater.

 
 


"Der Würfel"


In Graz entstand 1959 ein Kabarett-Ensemble, das neue Dimensionen in die damalige Kabarett-Landschaft bringen sollte. Gegründet wurde "Der Würfel" von Kuno Knöbl, der auch die Idee zum Gruppennamen hatte und fortan als Spielleiter, Autor und Darsteller wirkte. Gründungsmitglieder dieses Studenten-Kabaretts waren Dieter Gogg, Kurt Gogg, Helmut Knoll, Udo Simonitsch und Gerhard Steffen. Als Autoren fungierten neben Knöbl, Dieter Gogg und Udo Simontisch. Als Darstellerin kam im dritten Programm Monika Orthofer hinzu, die ihrerseits ihren Bruder Peter Orthofer als Texter, Darsteller und Conférencier zum Ensemble brachte. Ab Herbst 1960 verstärkte Is Franke die Truppe. In Graz, wo der "Würfel" innerhalb von zwei Jahren sieben Programme spielte, fanden die Kabarett-Aufführungen anfänglich im Gothensaal statt, später (Herbst 1960) übersiedelte man in das eben eröffnete Forum Stadtpark. Neben ihrer Tätigkeit als Kabarett-Autoren verfassten die "Würfler" Kolumnen für die Grazer Tageszeitung "Kleine Zeitung" unter dem Titel "Von denen Graetzern und anderen Spießern".
1961 gastierte "Der Würfel" mit dem Programm "Weh dem, der rügt" sehr erfolgreich in Gerhard Bronners "Neuem Theater am Kärntnertor". Bronner, dem seine Kabarett-Truppe, das namenlose Ensemble, teilweise abhanden gekommen war, engagierte daraufhin einige "Würfel"-Mitglieder an sein Haus. Zusammen mit Peter Lodynski, Eva Pilz und Mirjam Dreifuss bildeten sie nun das neue „Kärntnertor-Ensemble“.
1963 allerdings lösten sich Lodynski und Knöbl, der 1965 nach Vietnam ging, von Bronner, um ihr eigenes Kabarett, wiederum „Der Würfel“ genannt, im Keller des Café Savoy in der Himmelpfortgasse zu eröffnen. Als Texter fungierten hauptsächlich Dieter Gogg und Peter Lodynski. Der neue „Würfel“ hatte bald den Ruf eines Avantgarde-Kabaretts, das versuchte, Surreales und Absurdes satirisch umzusetzen.
Zum Ensemble gehörten im Laufe der Zeit u. a. auch Mirjam Dreifuss, Günter Tolar, Felix Dvorak, Cissy Kraner, Hugo Wiener, Herwig Seeböck u. v. m.
1969 löste sich „Der Würfel“ auf und viele Ensemblemitglieder fanden im ORF ihr Betätigungsfeld.

 
 


Renaissance des politisch-zeitkritischen Kabaretts

Anfang der 1770er Jahre war es still geworden ums Kabarett. Es gab zwar da und dort Österreich weit Kabarett-Ensembles, im Rundfunk gab es "Funkbrettl", im Fernsehen gab es die "Farkas-Bilanzen" und diverse Kabarett-Sendungen, aber von einer Szene kann nicht gesprochen werden.
Erst 1974 brach mit dem "Kabarett Keif" dieses Vakuum auf. Erwin Steinhauer, Erich Demmer und Wolfgang Teuschl waren die Protagonisten, zu denen sich später auch Lukas Resetarits gesellte. Das „Kabarett Keif“ bestand nicht lange, ebnete aber den Weg für eine neue Form des Kabaretts – inhaltlich wie formal.
Nach der Auflösung von „Keif“ suchte Lukas Resetarits allein seinen Weg und wurde neben Otto Grünmandl einer der ersten Solokabarettisten Österreichs. Ein Novum war in dieser Zeit auch die Verbindung Kabarett & Rockmusik; stellvertretend seien die "Schmetterlinge" oder die frühe "EAV" ("Erste Allgemeine Verunsicherung") genannt.
In den späten 1970er Jahren begannen aber auch Hans-Peter Heinzl mit seinem Autor Peter Orthofer, das Musikkabarettduo Muckenstruntz & Bamschabl oder Fratt & Schacherreiter in Salzburg ihre Karrieren.
1978 begann der ORF auch die satirische Radiosendung "Guglhupf", für die u. a. Lore Krainer, Gerhard Bronner und Peter Wehle schrieben, zu produzieren.

 
 


Der Kabarettboom


Anfang der 1980er Jahre entstanden Spielstätten wie die "Kulisse", das "Spektakel", das "Metropol" oder das "Kabarett Niedermair" in Wien; in Linz begann der "Posthof", in Innsbruck das "Treibhaus" und in Graz die Kleinkunstbühne "Hin & Wider" im Theatercafé, die auch den bald renommierten Kabarettnachwuchspreis, den "Grazer Kleinkunstvogel" vergibt.
VeranstalterInnen und ManagerInnen übernahmen langsam die "Vermarktung" von KabarettistInnen und deren Produkten. Um in der Öffentlichkeit noch präsenter zu sein, schufen Medienleute und Veranstalter Kabarett- und Kleinkunst-Preise und Kabarett-Festivals. Dieser Ausbau der Kabarett-Infrastruktur trug wesentlich zum Kabarett-Boom bei.
In den 1980er Jahren begannen Solisten, wie Andreas Vitásek, I Stangl oder Josef Hader ihre Solo-Karrieren und die Gruppe "Schlabarett" brachte mit "Atompilz von links" nachhaltig das so genannte Kabarett-Stück auf die Bühne. Aus der Gruppe "Schlabarett" werden in den 1990er Jahren SolistInnen wie Alfred Dorfer, Roland Düringer oder Andrea Händler hervorgehen. Aber auch Kabarettensembles, wie das "Kabarett Brennesseln" mit seinem Autor Alfred Aigelsreiter oder "Die Hektiker" (Mini Bydlinski, Wolfgang Pissecker, Florian Scheuba, Werner Sobotka) entstehen Anfang der 1980er.
Auf den österreichischen Kabarettbühnen finden wir beginnend in den 1980er Jahren auch erstmals Frauen mit eigenen Texten und feministischen Anliegen, wie Marie-Thérèse Escribano, "Chin & Chilla" (Barbara Klein und Krista Schweiggl), die "Emmis" (Emmy Werner, Cornelia Köndgen, Edith Hollenstein, Eva Dité u. a.) mit der Autorin Erika Molny), Miki Malör, die "Menubeln" (Erika Deutinger, Jeanette Tanzer, Eva Dité u. a.), Dolores Schmidinger, Irene S. oder Regina Hofer.
Der Kabarett-Boom scheint bis in die Gegenwart ungebrochen, formal gibt es Weiterentwicklungen, eine Abkehr vom Nummernkabarett ist genauso zu konstatieren wie Änderungen durch die Comedy-Welle.
KabarettistInnen lassen aber nicht nur Kinokassen klingeln, sprich: mit Kabarettfilmen wie "Muttertag", "Indien" oder "Hinterholz 8", sie sind auch im Rundfunk und Fernsehen begehrt. Hier seien TV-Sendungen wie "MA2412", "Die 4 da", "Dorfers Donnerstalk", "Wir Staatskünstler" (Thomas Maurer, Robert Palfrader, Florian Scheuba) oder Formate wie "Was gibt es Neues?" (Gastgeber: Oliver Baier) und "Willkommen Österreich" (mit Stermann & Grissemann) erwähnt.
Außer den erwähnten KünstlerInnen tummeln sich auf den Brettern, die Kabarett bedeuten: Alexander Bisenz, Klaus Eckel, Viktor Gernot, Pepi Hopf, maschek, Helfried (Christian Hölbling), Leo Lukas, Simon Pichler, Paul Pizzera, Günther Lainer, Nadja Maleh, Thomas Maurer, Flüsterzweieck, Eva Maria Marold, Susanne Pöchacker, Alf Poier, Joesi Prokopetz, Martin Puntigam, die Science Busters, Monica Weinzettl & Gerold Rudle, Werner Schneyder, Heilbutt & Rosen, Gery Seidl, Herbert Steinböck, Thomas Stipsits, Mike Supancic, Severin Groebner, O. Lendl, Eva D., Susanne Draxler, Fritz Egger und das Affront-Theater Salzburg, Werner Brix, Buchgraber & Brandl, Martin Kosch, Michael Auernigg, Christoph Krall, Ludwig W. Müller, die Schienentröster, Bernhard Ludwig, Die Giftzwerge, Hosea Ratschiller, Werner Schneyder, Stefan Haider, Christoph und Lollo, Die Dornrosen, BlöZinger, Andrea Schramek, Die Echten, Nina Hartmann, Gregor Seberg, Gunkl ...
siehe auch: KünstlerInnen
Informationen zu gegenwärtigem Kabarett finden Sie unter http://www.kabarett.at und http://www.inskabarett.at.

Iris Fink © Österreichisches Kabarettarchiv

 

Literaturliste zur Kabarettgeschichte
Eine Auswahl 
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