Foto: 1920, © Privatbesitz Michaela Egloff

Lea Seidl

(Karoline Mayrseidl)

* 22. August 1895 in Wien, † 4. Jänner 1987 in London

Kabarettsängerin, Operettensängerin, Schauspielerin, Tänzerin

 

Lea Seidl wuchs mit drei Geschwistern als jüngstes Kind des Straßenbahn-Unterbeamten Karl Mayrseidl und seiner Frau Julianne in Wien auf. Der Vater starb schon 1905. Bereits mit 14 Jahren ist Lea Seidl Elevin am Carl-Theater, ab der Spielzeit 1910/11 dann fest im Chor des Theaters engagiert und auch in kleinen Solorollen zu finden. Für die Sommerspielzeit 1912 hat sie einen Solovertrag am Theater in Karlsbad. Dieses verlässt sie schon im Herbst des Jahres, um sich dem Dresdner Gastspielensemble Königl. Belvedere unter Leitung der Direktoren Emil und Arthur Schwarz anzuschließen, die Jahresrevuen nach Berliner Vorbild produzieren.

Mit diesem Ensemble kommt sie im September 1913 zurück nach Wien (Colosseum und Revuebühne Femina, ehemals Fledermaus). Ab Mitte November 1913 tritt Lea Seidl dann unter der Direktion von Egon Dorn im Bierkabarett Simplicissimus auf. Von Anfang an erregt sie in der Presse Aufsehen. Bis 1918 ist Lea Seidl auf allen angesagten Kabarett-Bühnen Wiens, aber auch in Prag (Chat Noir), Budapest (u. a. Berliner Garten), Zürich (Palais Mascotte, Bonbonniere) und im April 1917 im Berliner Schwarzen Kater, hier im Programm mit Claire Waldoff nachweisbar.

Im Wiener Simplicissimus trifft sie auf Kollegen wie Josma Selim, Paul Steinitz vom Berliner Lindenkabarett, Paul Morgan und Fritz Wreede, den späteren Mitinhaber des Verlags Felix Bloch und Erben. Im Rideamus, unter der Direktion Friedmann und Schweitzer, gilt „Lea Seidl [als] der Star des Februar-Programms“ 1916. Im Wiener Gartenbau sind 1916 Willy Prager, sowie Ralph Benatzky und Josma Selim ebenfalls Teil des Programms und auch im Max & Moritz (1916, 1917 und 1918) ist Lea Seidl als „Vortrags-Soubrette“ tätig. Am 13. September 1917 schreibt die Wiener Allgemeine Zeitung auf Seite 2: „Im Soloteil brillierten Heinrich Eisenbach, Lea Seidl und Armin Berg mit ihren neuesten Schlagern.“

Schon seit 1915 lassen sich daneben auch immer wieder Auftritte beim Film nachweisen.

In den kommenden Jahren widmet sich Lea Seidl zunächst wieder der Operette, wo sie in der Schweiz, im Wiener Operettenensemble von Max Steiner-Kaiser als Soubrette, bald als erste Sängerin tätig ist. Ihr Weg führt sie 1921 weiter nach Berlin. Hier feiert sie an verschiedenen Bühnen in Revue und Operette immer größere Erfolge und auch in ihrer Heimatstadt Wien wird sie bald als Star gehandelt. Der Kleinkunstbühne bleibt sie mit Auftritten im Berliner Linden-Cabaret verbunden.

Nachdem Lea Seidl in der Partie der „Friederike“ 1928 in Dresden aufsehen erregt, holt Franz Lehár die Sängerin auch zur Wiener Erstaufführung der gleichnamigen Operette 1929 ans Wiener Johann-Strauß-Theater. 1930 wird sie in dieser Rolle nach London engagiert, wo sie als „Frederica“ und im Jahr darauf als „Rösslwirtin“ in der englischen Revue-Fassung der Operette Im Weissen Rössl (White Horse Inn) unter der Regie von Erik Charell Triumphe feiert. Ab 1932 ist Lea Seidl auch regelmäßig mit den Grammophon-Aufnahmen ihrer Lieder aus Frederica in den BBC-Programmen im Radio präsent.
Lea Seidl bleibt in London und wird 1938 eingebürgert.

 

Quellen:

Nachlass Lea Seidl im ZPKM in Freiburg (Zentrum für Populäre Kultur und Musik).

Zeitungsportale (u.a. ANNO: https://anno.onb.ac.at  und das Deutsche Zeitungsportal: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper

Recherchen im Wiener Theatermuseum, in der Wienbibliothek im Rathaus und im Wiener Stadt- und Landesarchiv.

Vgl. z. B. Illustrirtes Wiener Extrablatt, 21. November 1913, S. 9. „[…] ragt namentlich Lea Seidl hervor, eine entzückende Wienerin, die mit ihrem Charme alle Herzen im Sturme gewinnt.“

Im Prager Tagblatt vom 1. Januar 1914, S.3 hebt die Presse Lea Seidl schon als „eine der glänzendsten Wiener Soubretten“ hervor.

Z. B. im Neuen Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 17. Oktober 1915, S. 74.

Wiener Allgemeine Zeitung, 1. März 1916, S. 3.

Vgl. Die Bühne, Heft 26/1925, S. 25. Bildbericht „Lea Seidl in Berlin. Der Star des Metropoltheaters.“

Die Stunde, 12. August 1925, S. 6.Lea Seidl a. G. [in Der Orlow] im Theater a. d. Wien. […] Das Publikum […] feierte den Star, der leider als Gast nur in die wienerische Heimat zurückgefunden hatte.“

Die Bühne, Heft 23/1926, S. 5. „Wiener Künstler in Berlin [...] Ein zweiter Wiener, Oskar Karlweis, aus der Tradition der nettesten, österreichischen komischen Liebhaber, mit einer reizenden Verlegenheits- und Frechheitskomik begabt, ein verbindlicher Schauspieler, der die menschlichen Linien wahrt, immer angenehm und liebenswürdig wirkt, gefällt in Berlin in einer Operette „Miss Amerika" außerordentlich. Seine Partnerin Lea Seidl ist gleichfalls aus Wien. Sie ging vom Kabarett schon vor Jahren nach Berlin und machte dort die große Karriere der mondänen Operettensängerin. Als sie vor ein paar Jahren wieder nach Wien kam, wurde sie hier bereits mit Star-Ehren begrüßt.“

Autorin:

Michaela Egloff, MA.

Letzte inhaltliche Änderung:

26.03.2026