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Jura SOYFER

* 8. Dezember 1912 in Charkow (Rußland/Ukraine)
† 16. Februar 1939 im KZ Buchenwald
Schriftsteller, Dramatiker, Kabarettautor

Der Vater war Industrieller, die Mutter führte ein großes Haus - dem gehobenen Bürgertum entsprechend. Jura und seine ältere Schwester Tamara hatten englische und französische Gouvernanten. 1920 verließ die Familie aufgrund der politischen Verhältnisse die Ukraine und kam über Konstantinopel schließlich im April 1921 nach Wien. Bald danach ließ sich die Familie in Baden nieder, um 1923 wiederum nach Wien zu ziehen. Soyfer besuchte das Gymnasium in der Hagenmüllergasse, Wien III. 1927, nach dem Justizpalastbrand, trat er den Sozialistischen Mittelschülern bei, 1929 begann er für das "Politische Kabarett" der Sozialistischen Veranstaltungsgruppe zu schreiben, ab 1930 publizierte er regelmäßig in der "Arbeiter-Zeitung". 1931 maturierte er und inskribierte an der Universität Wien Germanistik und Geschichte. Später schloss er sich der Kommunistischen Partei an und wurde aktiver Teil des Widerstands gegen den (Austro-)Faschismus, was auch Verhaftungen nach sich zog.
Im Mai 1936 führte das "ABC", dessen Hausautor Soyfer wurde, sein erstes Mittelstück "Weltuntergang" auf (daraus Hörprobe "Kometensong" interpretiert v. Leon Askin). Diesem folgten im März 1937 "Die Botschaft von Astoria", im September "Vineta - die versunkene Stadt" und im Dezember "Broadway-Melodie 1492". Die "Literatur am Naschmarkt" brachte im Oktober 1936 das Mittelstück "Der Lechner Edi schaut ins Paradies" heraus. Beide Kleinkunstbühnen spielten in der Folge Szenen von Soyfer, oftmals unter seinen Pseudonymen "Walter West" oder "Norbert Noll". Am 13. März 1938 wurde Soyfer an der schweizerischen Grenze von österreichischen Beamten verhaftet und über die Gefängnisse Bludenz, Feldkirch und Innsbruck ins KZ Dachau gebracht. Dort entstand u. a. das berühmte "Dachau-Lied", das Herbert Zipper vertonte. Im September wurde Soyfer ins KZ Buchenwald transportiert, wo er am 16. Februar 1939 an Typhus verstarb. Vater, Mutter und Schwester konnten 1939 nach New Y
ork emigrieren, wo sie fortan lebten.


  Eine Auswahl
Jarka, Horst, Jura Soyfer. Leben, Werk, Zeit. Mit einem Vw. v. Hans Weigel. Löcker Vlg., Wien 1987.
Jarka, Horst (Hrsg.), Jura Soyfer. Gesammelte Werke. Szenen und Stücke. Europavlg., 2. Aufl. Wien-Zürich 1993.


Mehr zu Jura Soyfer: http://www.soyfer.at

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