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Peter HAMMERSCHLAG

* 27. Juni 1902 in Wien, † ermordet 1942 im KZ Auschwitz
Schriftsteller, Kabarettist, Graphiker

Die Familie, Vater Ohrenfacharzt und a. o. Professor an der medizinischen Fakultät in Wien, lebte in Wien-Alsergrund. Peter Hammerschlag wurde bei Eintritt in die Volksschule römisch-katholisch getauft; die Mutter konvertierte ebenfalls 1908. Nach der Matura besuchte er Kunstgeschichte-Vorlesungen und einen Lehrgang für Buch- und Illustrationsgewerbe. Viele seiner Texte - satirische und groteske, Kurzgeschichten und Gedichte - hat er mit Illustrationen und Karikaturen versehen, die teilweise auch in Zeitungen und Zeitschriften publiziert wurden. Er verfasste Mittelschulrevuen und trat erstmals mit Kabarett-Programmen in der Schwarzwald-Schule auf.
1929/30 war er in Berlin, u. a. im "Küka" (Künstlerkaffee) tätig. Am 7. November 1931 eröffnete Stella Kadmon im Souterrain des Café Prückel die Kleinkunstbühne "Der liebe Augustin", in der Hammerschlag als Hausautor, Conférencier, Darsteller und "Blitzdichter" tätig war; er konnte aus dem Stegreif durch Zuruf des Publikums Gedichte (u. a. Literaturparodien) gestalten. Ab 1933 verfasste er auch Beiträge für andere Wiener Kleinkunstbühnen, so für "Die Stachelbeere", die "Literatur am Naschmarkt" oder das "ABC". Darüber hinaus veröffentlichte Hammerschlag Beiträge in Zeitschriften, z.B. in der "Weltbühne".
Im Juli 1938 wurde die elterliche Wohnung, in der auch Peter Hammerschlag lebte, "arisiert". Sein Bruder Valentin emigrierte nach Südamerika. Im August desselben Jahres reiste Peter Hammerschlag nach Jugoslawien, wurde aber im November festgenommen und ausgewiesen. Er kehrte nach Wien zurück. Ab 1941 mußte er Zwangsarbeit verrichten. Gemeldet war er offiziell in der Ghettowohnung seiner Eltern im 1. Bezirk. Nach deren Deportation im Juni 1942 - beide kamen in Theresienstadt um - tauchte er unter und fand Aufnahme beim Komponisten Alexander Steinbrecher. Beim Verlassen dieser Wohnung wurde er verhaftet und mit dem Transport vom 17. Juli 1942 nach Auschwitz gebracht, wo er ermordet wurde. Das Datum seines Todes ist unbekannt.


  Eine Auswahl
Hammerschlag, Peter, Der Mond schlug grad halb acht. Grotesk-Gedichte. Eingeleitet und hg. v. Friedrich Torberg. Mit 51 Federzeichnungen von Bil Spira. Zsolnay, Wien-Hamburg 1972.
— Steif weht der Wind von der Postsparkassa. Groteskgedichte und Gelegenheitsprosa. Hg. v. Gerhard Bronner. Zsolnay, Wien-Hamburg 1984.
— Die Wüste ist aus gelbem Mehl. Groteskgedichte. Mit einem Nw. v. Friedrich Achleitner. Hg. v. Friedrich Achleitner u. Monika Kiegler-Griensteidl. Mit 12 Zeichnungen des Autors. Zsolnay, Wien 1997.
— Die Affenparty. Prosa. Mit 11 Zeichnungen des Autors. Hg. v. Volker Kaukoreit u. Monika Kiegler-Griensteidl. Zsolnay, Wien 2001.
Monika Kriegler-Griensteidl, Volker Kaukoreit (Hg.), Kringel, Schlingel, Borgia. Materialien zu Peter Hammerschlag. Turia und Kant, Wien 1997.

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Bronner, Gerhard und Elfriede Ott, Der Hammerschlag des lieben Augustin. Texte v. Peter Hammerschlag, Musik v. Gerhard Bronner. Vertrieb: Hoanzl



Nachlass

ÖNB, Österreichisches Literaturarchiv: http://www.onb.ac.at/sammlungen/litarchiv/bestand/sg/nl/hammers.htm.

Hinweis:
Ein Portrait zum 110. Geburtstag und 70. Todesjahr von Peter Hammerschlag können Sie in der Ö1-Sendung "Contra" am 24.06.2012, ab 22:05 hören. Gestaltung: Iris Fink und Hans Veigl


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