Heute schon gelacht? 
   

DIE STACHELBEERE

 

Ein neues Kabarett. Im Theatersaal des Café Döblingerhof in der Billrothstraße Nr. 49 hat sich unter dem Titel "Die Stachelbeere" eine neue Kleinkunstbühne aufgetan, deren Mitglieder ein "garantiert starfreies, girlfreies und jargonfreies Programm" bieten wollen. Das kleine Kollektiv aus Musikern, Schauspielern und Tänzern bringt parodistische Szenen und Chansons, tänzerische Darbietungen und musikalische Scherze. Die Psychoanalyse, das Opernpathos, der Sportfimmel werden im Zerrspiegel der Satire gezeigt, darüber hinaus gibt es auch manches soziale Chanson und manchen aktuellen politischen Witz. Josef Pechaczek trägt das selbstverfaßte Lied vom Pratervarieté und einen Arbeitslosensong mit echtem Ausdruck vor, Elise Springer und Grete Spohn erweisen in einem halben Dutzend kleiner Rollen schauspielerische Begabung. Hilde Sykora tanzt nett, Dr. Rudolf Spitz bemüht sich um die Conférence und die Klavierspieler Horwitz und Wilhelm versehen mit Geschick den musikalischen Teil des Programms. Die jungen Leute sind mit viel Ernst und Spielfreude bei der Sache; sie brauchen jedoch einen Regisseur, der die Texte zufeilt und die schauspielerischen Uebertreibungen abschleift.

Arbeiterzeitung, 8. Oktober 1933

 

 

 

 Eine Auswahl
Reisner, Ingeborg, Kabarett als Werkstatt des Theaters. Literarische Kleinkunst in Wien vor dem Zweiten Weltkrieg. Vlg. d. Theodor Kramer Gesellschaft, Wien 2004.
Veigl, Hans, Lachen im Keller. Von den Budapestern zum Wiener Werkel. Kabarett und Kleinkunst in Wien. Löcker, Wien 1986.
Weigel, Hans, Gerichtstag vor 49 Leuten. Rückblick auf das Wiener Kabarett der dreißiger Jahre. Mit Texten von Lothar Metzl, Josef Pechacek, Hans Schlesinger, Rudolf Spitz, Rudolf Weys. Styria, Graz-Wien-Köln 1981.
Weys, Rudolf, Cabaret und Kabarett in Wien. Jugend und Volk, Wien-München 1970

 

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